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Spaziergang durch das Dorf Chorin
3. Vom Waldseehotel zum Kloster
Kloster Chorin Ostchor„Hoch und schlank und vielgestaltig,
schneebedeckt und altersgrau,
halb zerstört und doch gewaltig
steht der wunderbare Bau.
Zart vom Himmel abgehoben,
hingehaucht, zum Greifen nah,
wie aus Luft und Schnee gewoben,
wie gedichtet steht er da“
(H. G. Meyer)
Es geht weiter am See entlang, hügelab, hügelauf zum Kloster Chorin. Dabei überqueren wir den Nettelgraben. Die Zisterzienser wurden oft als Rodungsorden betitelt. Sicher waren sie als gut organisierte Landwirte auch an Landgewinnung interessiert. Ein großer Konvent und die zunehmende Zahl von Untertanen benötigten viel Ackerland. Es ist für die Region um den Parsteinsee belegt, dass zum Zeitpunkt des Bauens von Mariensee/Chorin die Menge an Erlenpollen abnimmt, die Menge an Getreidepollen aber zunimmt.
Kloster Mariensee - FundamenteDie Zisterzienser sind aber auch bekannt als Meister der Melioration. Ein Beleg dafür ist der Nettelgraben. Er führt vom Parsteinsee zum Weißen See, von dort zum Amtssee und weiter zur Bullenwiese und zum Hopfengartensee, schließlich zur Ragöse. Es ist noch nicht genau untersucht, wann dieses technische Bauwerk errichtet wurde. Mit dem Nettelgraben wurde den Seen ein Abfluss Richtung Finowtal geschaffen und man hatte ein Regulativ für Mühlen und Wasserzufuhr für Karpfenteiche. Der Durchstich am Kloster ist auf jeden Fall eines der ältesten technischen Bauwerke der Region und inzwischen sind viele naturnahe Abschnitte des Grabens interessante Biotope.
Schließlich erreichen wir das Kloster von Norden her. 1258 wurde von den Markgrafen von Brandenburg das Kloster Mariensee gestiftet. Vom ersten Standort am Parsteinsee wurde es 1273 nach Chorin verlegt und umbenannt. Es ist ein Gebäudekomplex von europäischem Rang, errichtet von den Zisterziensern im Stil der norddeutschen Backsteingotik. Es handelt sich um die erste gotische Klosteranlage, die im gesamten oberirdischen Teil aus einem künstlichen Baustein errichtet wurde- dem Ziegelstein, aus dem Ton der Region. Es liegt typisch für ein Zisterzienserkloster an einem See und 3 km abseits von der nächsten Siedlung, hier vom Dorf Chorin.
Die Westfassade des Klosters ist nicht nur weithin sichtbar sondern auch europaweit bekannt. Die Fassade wiederspiegelt die Spezialistenleistung der Bauleute, den Machtanspruch der Klosterstifter aber auch die Inhalte des Mönchlebens. Sie wurde als letztes Bauglied sozusagen als Schaufassade vor den Gebetsraum der Mönche gestellt. Sie repräsentiert den Machtanspruch der Askanier in engem Konsenz zu der einstigen Westempore im Kircheninneren.
Sie zeigt aber auch, dass ein Orden das Bauwerk errichtete. Sie ist dreigeteilt durch drei Fenster, drei Giebelchen, einer ebenfalls dreigeteilten Rose. Die Trinität prägt den Gesamteindruck der Fassade. Friesschmuck verziert die Backsteinwand. Man sieht die Marienlilie, das Christussymbol Weinranke und einen bescheidenen Schmuck, das deutsche Band.
Und das haben sich offensichtlich die Bauleute im Dorf abgeschaut. An manchen Backsteingebäuden im Dorf findet man das deutsche Band wieder als bescheidenen, leicht herstellbaren Schmuck.